125 Jahre neuer Friedhof in Stukenbrock

Einweihung am 28. August 1901

(hr) Vor 125 Jahren, am 28. August 1901, wurde der neue Friedhof in Stukenbrock durch den damaligen Pfarrer Friedrich Kreutzmann eingeweiht. Damit erhielt die Gemeinde einen neuen Begräbnisplatz, nachdem der alte Kirchhof rund um die St.-Johannes-Baptist-Kirche schon seit Jahren an seine räumlichen Grenzen gestoßen war.

Der alte Kirchhof war überbelegt

Bereits 1896 war die Situation auf dem alten Friedhof rund um die Kirche offensichtlich so problematisch, dass der Stukenbrocker Gendarm Gerber die Polizeibehörde in Schloß Neuhaus um eine sofortige Schließung des Friedhofs ersuchte. Der Kirchhof war nicht nur überbelegt, sondern wurde auch als zunehmend „unansehnlich“ beschrieben und die Toten wurden nicht mehr tief genug bestattet. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde weiterhin auf dem alten Kirchhof beerdigt. Allein im Jahr 1901 bis zum 9.September wurden dort noch 32 Verstorbene beigesetzt. Die Gemeinde musste daher dringend nach einer dauerhaften Lösung suchen. Ursprünglich war vorgesehen, einen neuen Friedhof auf einem Grundstück hinter der Gaststätte Stermann (heute Hotel Gasthof zur Post) anzulegen. Dieser Plan wurde jedoch verworfen.

Ein neues Grundstück auf der Kiesheide

Im Jahr 1899 erhielt die politische Gemeinde schließlich von dem Gutsbesitzer Leopold Kipshagen, genannt Gauksterdt, Haus Nr. 64, ein Grundstück zur Anlage eines neuen Begräbnisplatzes. Eine schriftliche Vereinbarung regelte die Fläche und die Nutzung eines Familiengrabes der Familie Gauksterdt. Das Grundstück lag auf der sogenannten Kiesheide südlich der damaligen Kreisstraße Stukenbrock–Dalbke. Es umfasste zwei Morgen. Da das Gelände zunächst uneben war, wurde es noch im selben Jahr für seine neue Aufgabe hergerichtet. Bemerkenswert ist dabei, dass die erforderlichen Arbeiten durch unentgeltliche Arbeitsleistungen von Einwohnern der Gemeinde ausgeführt wurden. Die Anlage des neuen Friedhofs war damit in besonderer Weise eine gemeinschaftliche Leistung der damaligen Stukenbrocker Bevölkerung.

Die Friedhofsmauer

In der Folge wurde mit der Einfriedigung des neuen Friedhofs begonnen. Die Arbeiten an der Mauer wurden dem Maurermeister Heinrich Brockschmidt übertragen. Er erhielt für einen Kubikmeter fertiggestelltes Mauerwerk 2 Mark und 70 Pfennig. Die Gemeinde finanzierte zudem den Mauerkalk und die Bruchsteine aus den Steinbrüchen bei Oerlinghausen. Damit entstand nach und nach der neue Begräbnisplatz, der die Bestattungsprobleme des alten Kirchhofs lösen sollte.

Die Einweihung am 28. August 1901

Die Chronik berichtet: „Am 28. August des Jahres 1901, wurde der neue Friedhof bei stürmischem Regenwetter, durch Pfarrer Friedrich Kreutzmann eingeweiht.“ Das Wetter konnte die Bedeutung dieses Tages offenbar nicht mindern. Mit der kirchlichen Einweihung war der neue Friedhof offiziell seiner Bestimmung übergeben.

Die erste Beerdigung

Nur wenige Tage später fand die erste Beisetzung statt. Am 5. September 1901 starb Anna Maria Theresia Eschengerd, Tochter des Colon Heinrich Eschengerd genannt Antconrads, Haus Nr. 199. Sie wurde am 9. September 1901 beerdigt. Die Chronik und auch im Kirchenbuch vermerkt, hält ausdrücklich fest, dass sie damit die erste Verstorbene war, die auf dem neuen Friedhof beigesetzt wurde. Zwischen der Einweihung am 28. August und der ersten Beerdigung am 9. September lagen somit nur zwölf Tage. Noch heute ist das verzierte Eisenkreuz mit dem verwitterten Emalie-Namensschild vor der Kapelle/Trauerhalle zu finden.

Der heutige Friedhof

Der kommunale Friedhof ist heute ein selbstverständlicher Bestandteil des Ortes. Die Friedhofsmauer selbst wurde in den Jahren 1988 bis 1991 durch Georg Bonensteffen umfassend restauriert. Dem ehemaligen Ortsheimatpfleger Heinz Tölke ist es zu verdanken, dass die Jahresdaten auch heute noch auf drei Grundsteinen an den Eingängen ersichtlich sind. Wichtig ist es aber sicher, dass unsere Verstorbenen mit ihrem Namen einen Ort des Friedens und des Gedenkens gefunden haben und sei es auch „nur“ auf einer Stele im halbanonymen Teil des Friedhofs oder durch ein Gedenkkreuz und Denkmal der gefallenen Soldaten an und in der St. Johannes Kirche oder durch einen Namen auf den Glas-Stelen auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof in der Senne. Mit seinem Namen beerdigt zu werden, die Würde sollte jedem Menschen zu Teil werden, nur wenn man heute in die Welt schaut, ist das nicht jedem vergönnt…

Die wichtigsten Daten

Jahr / DatumEreignis
1896Gendarm Gerber drängt wegen Überbelegung auf die Schließung des alten Kirchhofs
1899Erwerb des Grundstücks auf der Kiesheide durch die politische Gemeinde
Planierung des unebenen Geländes durch unentgeltliche Arbeitsleistungen
1900/1901Errichtung der Einfriedigungsmauer aus Bruchsteinen
28. August 1901Einweihung des neuen Friedhofs durch Pfarrer Friedrich Kreutzmann
5. September 1901Tod von Anna Maria Theresia Eschengerd
9. September 1901Erste Beerdigung auf dem neuen Friedhof
1988–1991Restaurierung der Friedhofsmauer durch Georg Bonensteffen
28. August 2026125. Jahrestag der Einweihung

Quellen: durch Henrik Fockel transkribierte Gemeindechronik Stukenbrocks, S. 87–88 / Heimatbuch Stukenbrock „Der Weg durch die Jahrhunderte“, Heinz Tölke / alle Bilder: Geschichtswerkstatt Stukenbrock

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