
(mt) Mädchen der Jahrgänge 1922/1923 (vermutlich Klasse II b) vor dem Hauptportal der Kirche St. Johannes Baptist in Stukenbrock, zusammen mit ihrer Lehrerin Fräulein Schuhmacher.
Die Kleidung zeigt bereits den Wandel der Zeit. Sie wurde bunter, viele Mädchen hatten ihre langen Zöpfe abgeschnitten und dem damals verpönten Pagenkopf geopfert. Neu waren auch die hellen Strümpfe und die Riemchensandalen, statt der hohen Schnürstiefel oder gar noch der vorherigen „Holtschen“ (Holzschuhe).
In der zweiten Reihe von oben, als vierte von links, steht Maria Oekenpöhler, Tochter von Hermann Oekenpöhler und Katharina Rustanovičs (Рустанович), die spätere Frau von Josef Peters, dem älteren Bruder von Theo.
Übrigens zeigen uns die Einträge in der Schulchronik der Kirchschule Stukenbrock in dieser Zeit, wie schnell die Schule nach 1933 gleichgeschaltet wurde, wie das NS‑Regime alle Bereiche des öffentlichen Lebens gezielt unter seine Kontrolle brachte. In einer „Systemkonferenz“ wurden vaterländische Feiern, Reichsjugendwettkämpfe, Sammelaktionen und die Nutzung völkischer Lesebögen festgelegt. 1934 folgt die Reichsgründungsfeier mit klarer NS‑Propaganda: Bismarck als Wegbereiter, Hitler als „Volkskanzler“, Beflaggung der Schule und der vorgeschriebene Gruß „Heil Hitler“. Die Einträge dokumentieren eindrücklich, wie der Schulalltag bereits früh vollständig in den Dienst der Ideologie gestellt wurde und nicht nur kleine Mädchen, eher noch die Jungens manipuliert worden sind.
Quelle:
Vielen Dank an Alexandra Herdes für die Leihgabe aus dem Familiennachlass.